Vielfältiger und säkularer: Wie weiter mit Religion und Weltanschauung in der Schule?

Bündnis 90/Die Grünen haben einen bundesweiten Debattenprozess gestartet, in dem sie Leitsätze für einen zeitgemäßen Umgang mit Religions- und Weltanschauungsunterricht, mit Ethik und Lebenskunde entwickeln wollen. Zum Auftakt, zu dem Bettina Jarasch als religionspolitische Sprecherin des Bundesvorstands geladen hatte, trafen sich Vertreterinnen und Vertreter der grünen Landesverbände und Landtagsfraktionen, der Grünen Jugend sowie der Bundesarbeitsgemeinschaften Christ*innen, Säkulare, Bildung und Wissenschaft.

Einig waren sich die Teilnehmenden, dass es kein Einheitsmodell geben kann, sondern die unterschiedlichen Begebenheiten und Traditionen in den Bundesländern individuelle Modelle erfordern. In einer Gesellschaft, die religiös immer vielfältiger und gleichzeitig immer säkularer wird, sei es jedoch wichtig, Grundlage und Orientierung zu bieten, betonte Bettina Jarasch: „Wir erwarten, dass Kinder mit den Unterschieden in unserer Gesellschaft umgehen können und darüber Bescheid wissen. Dann müssen wir als Politik uns aber auch fragen: Was müssen wir den Kindern anbieten und mitgeben, damit sie das können.“

Wie soll Islamischer Religionsunterricht in der Praxis organisiert sein?

Neben dem bekenntnisförmigen Religionsunterricht sehen die Akteuer*innen des grünen Debattenprozesses großen Bedarf an religionskundlichen Angeboten, um Schülerinnen und Schülern Wissen über Religion zu vermitteln und interreligiösen Dialog zu ermöglichen.  Angesichts der aktuellen Vorwürfe gegen den Moscheenverband Ditib, Islamlehrer ausspioniert zu haben, zeige sich politischer Handlungsbedarf. Wie soll Islamischer Religionsunterricht in der Praxis organisiert sein? Wer ist verantwortlich für die Unterrichtsinhalte? Wie und wo werden die Lehrkräfte ausgebildet? Hier habe noch keine Partei ein tragfähiges Konzept vorgelegt. Bündnis 90/Die Grünen werden diese Fragen angehen.

Nachdem mit der fast dreijährigen Arbeit der Religions- und Weltanschauungskommission und dem daraus entstandenen Parteitagsbeschluss ein großer Meilenstein in Sachen Religionspolitik geschafft ist, hatte die Bundesdelegiertenkonferenz, der grüne Parteitag, im November 2016 beschlossen, die religionspolitische Debatte weiter zu treiben und Leitsätze für Religions- und Weltanschauungsunterricht zu entwickeln. Der Prozess soll von einer BAG- und länderübergreifenden Arbeitsgruppe gesteuert werden.

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