Diskussion im Bürgersaal: „Für alle in Spandau: Integration stärkt Zusammenhalt“

Bei der Diskussion am Abend des 7. September 2018 im Bürgersaal des Spandauer Rathauses wurden verschiedene Aspekte des Integrationstages zusammengeführt und kritisch auseinandergenommen. Es diskutierten unter der Moderation von  Gollaleh Ahmadi, Fraktionsvorsitzende der Grünen in der BVV Spandau: Bettina Jarasch (Sprecherin für Integration und Flucht im Berliner Abgeordnetenhaus), Britta Marschke (Geschäftsführerin der Gesellschaft für interkulturelles Zusammenleben, G.I.Z. e.V.), Henning Rußbült (Schulleiter des Hans-Carossa-Gymnasiums) und Nana Suwarray (Vorstandsmitglied des Teiba Kulturzentrum e.V. und Engagierte in der Bürgerplattform: Wir bewegen Spandau!).

Gerade weil Spandau ohnehin schon vor großen Herausforderungen steht, mit viel Zuzug, vielen Brennpunktschulen, vielen Jugendlichen ohne Abschluss und vielen Langzeitarbeitslosen, ist die Integration von geflüchteten Menschen in das Bildungssystem, in den Arbeitsmarkt und im Hinblick auf kulturelle Teilhabe eine nicht zu unterschätzende Aufgabe. Weitsichtige Integrationspolitik muss daher fragen wie man in einer pluralen Gesellschaft den Zusammenhalt stärken kann, indem Barrieren und Hindernisse für alle Spandauerinnen und Spandauer abgebaut werden und wie die Regelsysteme für eine sich wandelnde Gesellschaft zugänglich gemacht werden können.

Einig waren sich die Diskutierenden, dass die Möglichkeiten mit Kulturmittler*innen zu arbeiten, nicht systematisch genutzt werden. Der Ansatz der Bürgerplattform, der großen Wert auf Beziehungsarbeit legt – hier hören sich alle zu, um die Themen und die Motivation der anderen Gruppen zu verstehen – zeigt auf, wie auch sehr unterschiedliche Menschen einander den Rücken stärken können. So sei es zum Beispiel auch für Jugendliche wichtig zu verstehen, dass es mehrere Wege in Bildung, Arbeit und Lebensgestaltung gibt, wie Nana Suwarray betont.

Es kann vielversprechend sein mit Kulturmittler*innen etwa aus der Bürgerplattform zusammenzuarbeiten, zum Beispiel in der Elternarbeit. Vorstellbar wäre, dass Imame oder andere respektierte Vertreter*innen aus der muslimischen Community durch Besuche oder gemeinsame Veranstaltungen in die Schularbeit miteinbezogen werden. Darin sieht Henning Rußbült eine Möglichkeit mit realen Fällen umzugehen, wenn etwa ein Jugendlicher ein Sozialpraktikum absolvieren will, aber aus Sicht des Vaters Arbeiten im Krankenhaus für einen Jungen nicht angemessen ist.

Ein Beispiel für Integrationspolitik, die Brücken baut – so Britta Marschke – könnte sein, das Willkommen in Arbeit-Büro in der Spandauer Altstadt nicht nur für Migrant*innen zu öffnen, sondern für alle Arbeitssuchenden, die an Hürden wie Sprach- oder Bildungsbarrieren und fehlendem Wissen um Beratungsangebote scheitern. Integration passiert meistens über gemeinsame Interessen: Elterntrainings, etwa zu gesunder Ernährung oder Kindererziehung können konkrete Anlässe schaffen sich zu begegnen und gemeinsam zu lernen. Bereits heute leisten die Integrationslots*innen in den Bezirken wichtige Integrationsarbeit für Eltern, Schulen, bei Behördengängen etc. – sie müssen besser ausgestattet und als Berufsbild anerkannt werden.

Für die Schulen in Spandau ist es essenziell qualifizierte Lehrkräfte zu binden, das ist besonders schwer am Stadtrand und direkter Nähe zu Brandenburger Städten, wo Lehrkräfte verbeamtet werden. Hier muss die Bildungsverwaltung nachsteuern. Mit der Bürgerplattform ist ein neuer Akteur in Spandau in Erscheinung getreten – jetzt ist es wichtig von der Politik wahrgenommen zu werden, um gut zusammenzuarbeiten. Aus dem Publikum gab es großes Interesse, mehr über Integrationsarbeit, Projekte zum Mitmachen und Nachbarschaftliches Engagement zu erfahren.  Eine Informationsplattform könnte die Vernetzung und das Engagement auch für Einzelpersonen erleichtern, die Grünen im Bezirk wollen eine solche ins Leben rufen, wie Bettina Jarasch resümiert.

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