Integration in Treptow-Köpenick: Von Arbeitsmarkt bis Unterbringung

Freitag, der 30. November 2018, – ein spannender Tag in Treptow-Köpenick geht zu Ende: Heute habe ich zusammen mit meinem Fraktionskollegen Harald Moritz sowie mit Catrin Wahlen aus der bündnisgrünen Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung Treptow-Köpenick und Philip Schmitz aus dem Vorstand des bündnisgrünen Kreisverbandes verschiedene Integrationsprojekte im Bezirk besucht.

Integration durch Arbeit: Gespräch mit Türöffner e.V.

Die erste Station, ein Besuch im Übergangswohnheim in der Alfred-Randt-Straße, macht uns mit Türöffner e.V. bekannt. Die Mitarbeiter*innen dieses Projekts, das von Union Berlin unterstützt wird, bringen Betriebe und Geflüchtete zusammen. Peter Hermanns (Vorstand) und Grit Driewer (Geschäftsführung) berichten über ihre Arbeit: über die erfolgreichen Fälle, wenn aus einem Praktikum als Küchenhilfe ein richtiges Arbeitsverhältnis wird, aber auch die frustrierenden Erlebnisse, wenn bei Geflüchteten, die bereits einen Arbeitsvertrag unterschrieben hatten, der Aufenthaltstitel wieder in eine Duldung mit Arbeitsverbot umgewandelt wird. Die oft prekäre aufenthaltsrechtliche Situation ist zermürbend, für die Geflüchteten selbst, aber auch für die Arbeitgeber*innen, die bereits Zeit und Aufwand in den Fall gesteckt haben. Diese Praxis der Ausländerbehörde ist oft nicht nachvollziehbar, zumal ein erfolgreich in Arbeit gebrachter Geflüchteter keine Sozialleistungen mehr beansprucht und Fachkräfte dringend gesucht werden.

Neben der Beratungspraxis gibt es auch ein Kooperationsprojekt mit dem Theater Strahl, bei dem Jugendliche alle Berufe rund um das Theater, von Friseur über Bühnenbildner bis Schreinerin, kennenlernen können und die komplette Produktion eines Stücks übernehmen. Türöffner ist außerdem im Bündnis „Willkommen im Fußball“, das Integration und Berufsorientierung durch Sport vorantreibt. Über 100 Unternehmen hat Türöffner in seinem Netzwerk und damit bereits 105 Praktikumsplätze und 45 Arbeitsplätze vermittelt. Wir vereinbaren, dass wir uns beim Fachtag Arbeitsmarktintegration der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus am 15. Februar 2019 wiedersehen, um konkrete Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten zu diskutieren.

Besuch der Gemeinschaftsunterkunft am Quittenweg

Der zweite Termin führt uns in die Unterbringung am Quittenweg in Altglienicke, wo wir mit Felix Huth (Einrichtungsleitung), Ratislava Mirkovic (Ehrenamtskoordination) und Christian Kübler (BENN Kosmosviertel) über Nachbarschaftsarbeit und gemeinsame Angebote für Bewohner*innen und Nachbar*innen sprechen. Das gemütliche Café Quitte wurde von Bewohner*innen und dem BENN-Team (Berlin entwickelt neue Nachbarschaften) gemeinsam gebaut – hier finden Lesungen, Konzerte, Gesprächsabende und Computerkurse statt, zu denen Nachbar*innen und Bewohner*innen gleichermaßen eingeladen sind. Das Team unternimmt viele Anstrengungen, um  die Nachbarschaft aus der direkt angrenzenden Siedlung und dem nahen Kosmosviertel einzubinden. Das ist offenbar nicht einfach, aber immerhin gibt es seit einer sehr turbulenten  Bürger*innenversammlung nach der Eröffnung der Unterkunft keine Proteste oder andere Vorfälle mehr.

Die drängendste Frage ist, was im Sommer 2019 nach der geplanten Schließung passiert: Die meisten der Bewohner*innen im Quittenweg sind kinderreiche Familien, die auf dem regulären Wohnungsmarkt nur sehr schwer eine Wohnung finden, auch wenn sie ihr Asylverfahren hinter sich haben und längst ausziehen dürften. Dabei ist es gerade für Familien sehr wichtig, dass sie langfristig in der nahen Umgebung eine Wohnung finden, denn ihre Kinder gehen hier zur Kita und zur Schule. Die Senatsverwaltung möchte solche Umstände bei der künftigen gesamtstädtischen Steuerung der Unterbringung von Wohnungslosen berücksichtigen. Ich verspreche aber nachzuhaken, welche Überlegungen es für die Familien vom Quittenweg gibt.

Bürger*innengespräch über Wohnraum für Geflüchtete am Bohnsdorfer Weg – Neue Nachbarschaften entwickeln

Zum Bürger*innengespräch im Familienzentrum nahe des geplanten Unterbringungsstandorts am Bohnsdorfer Weg sind zahlreiche Interessierte aus der Nachbarschaft gekommen. In einer sehr konstruktiven Atmosphäre diskutieren wir mit den Gästen, welche Infrastrukturbedarfe es im sich verändernden Raum Altglienicke gibt und welche Gestaltungsmöglichkeiten es auf Bezirks- wie auf Landesebene für die Gesamtplanung des Geländes am Bohnsdorfer Weg gibt.

Ein wichtiger Punkt ist insgesamt die Ertüchtigung der Straßen, die Gäste bezweifeln, dass die teils sehr kleinen oder privaten Straßen rund um das Gelände zur Erschließung geeignet sind. Es gibt auch den Wunsch, dass der S-Bahn-Takt verdichtet wird, wenn am Bohnsdorfer Weg künftig deutlich mehr Menschen wohnen. Ein Teilnehmer schlägt vor, einen 2. Eingang zum S-Bahnhof Altglienicke von der Seite des Bohnsdorfer Wegs zu bauen. Jacob Zellmer, der für Bündnis 90/Die Grünen in der Bezirksverordnetenversammlung für Verkehr und Stadtentwicklung zuständig ist, sagt zu, diese Aspekte im Fachausschuss zu thematisieren: das Bebauungsplanverfahren für das Gelände sei eine gute Gelegenheit, auch die Verkehrsinfrastruktur in den Blick zu nehmen.

Das Wohnumfeld in Altglienicke verändert sich. Es ziehen mehr Menschen zu, dadurch gibt es sowohl mehr Parkplatzprobleme als auch mehr Verkehr auf der Straße. Das Gleiche gilt für Schulplätze und die weitere soziale Infrastruktur. Catrin Wahlen aus der BVV Treptow-Köpenick stellt in Aussicht, zu Schulbau eine öffentliche Veranstaltung mit dem Bezirksamt zu machen. Auch der bedarfsgerechte Aufwuchs der sozialen Infrastruktur müsse in den Bebauungsplan aufgenommen werden: Wie viele Schul- und Kitaplätze, wie viele Plätze für Pflege und Betreutes Wohnen, wie viele Geschäfte und Grünflächen braucht das Quartier rund um den Bohnsdorfer Weg und Altglienicke insgesamt in Zukunft?

Kritisch diskutiert wird vor allem die Geschossflächenzahl, also die Höhe der geplanten Gebäude. Die Anwohner*innen fürchten, dass sich durch eine zu massive Bebauung der Charakter des Quartiers verändert. Ich berichte, dass laut Senatsverwaltung mittlerweile nur noch eine pyramidenförmige Bebauung des Geländes geplant sei: mit ein- bis zweigeschossigen Gebäuden am Rand und einer zur Mitte hin aufwachsenden Geschosshöhe von drei bis vier Stockwerken. Wir Grüne werden uns dafür einzusetzen, dass es dabei bleibt. Klar ist aber auch, dass eine völlige Abkehr von einer Geschossbauweise nicht in Frage kommt; zum einen wegen der akuten Knappheit an Wohnraum und Grundstücken überall im Land Berlin, zum anderen aber auch wegen den Konditionen der bundeseigenen Liegenschaftsverwaltung BIMA, der das Gelände gehört. Die BIMA ist bereit zu verkaufen, aber nur, wenn in Geschossbauweise gebaut wird.

Wir vereinbaren, die interessierten Gäste über neue Entwicklungen zu informieren und richten dafür einen Mailverteiler ein.

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