Gespräch zwischen Katholischer Kirche und Berliner Grünen – Gemeinsame Verantwortung für den Zusammenhalt

Montag, 20.05.2019: Der Zusammenhalt in einer pluralen Gesellschaft stand im Mittelpunkt der Gespräche zwischen den Spitzen von Bündnis90/Die Grünen und Leitung des Erzbistums Berlin heute im Abgeordnetenhaus. Die Schule wurde als wichtiger Ort gesehen, um den Umgang auch mit religiöser Vielfalt einzuüben.

Erzbischof Dr. Koch bedankte sich für die Unterstützung bei der Errichtung des Zentralinstituts für Katholische Theologie an der HU. Promotionsrecht und damit noch mehr Attraktivität hätte das Institut allerdings erst, wenn die derzeit befristete fünfte Professur auf Dauer abgesichert wäre. – Die Grünen unterstützen eine solche Aufwertung des Instituts, das mit seinem Schwerpunkt auf anthropologischer Ethik bundesweit einzigartig sei. Intensiv diskutierte die Runde die Wohnungssituation in Berlin und den Umgang mit dem Volksbegehren Deutsche Wohnen enteignen. Erzbischof Koch begrüßte ausdrücklich, dass die Grünen sowohl mit den Immobiliengesellschaften als auch mit den Initiatoren des Volksbegehrens in den Dialog treten wollen und forderte, dass diese Gespräche konkrete Ergebnisse im Sinne einer sozial verantwortlichen Geschäftspraxis haben müssten. Es gebe viele Eigentümer in dieser Stadt, die die Sozialpflichtigkeit des Eigentums sehr ernst nähmen.

Wichtiges Thema war der Fachkräftemangel insbesondere in sozialen Berufen sowie in der Pflege. Die Grünen begrüßten das Angebot der Kirche, die Ausbildungskapazitäten für diese dringend benötigten Berufe kurzfristig zu erhöhen. Umgekehrt wollen sie sich dafür einsetzen, dass auch die privaten Pflegeschulen bei der Umstellung auf die generalistische Pflegeausbildung unterstützt werden.

Diskutiert wurde auch über die historischen Staatsleistungen, die die Grünen ablösen wollen. Die Runde war sich einig, dass die Ablösung dieser historischen Entschädigungszahlungen jetzt an der Zeit sei. Das Erzbistum Berlin zeigt sich zu Gesprächen bereit.

Antje Kapek, Fraktionsvorsitzende der Grünen-Fraktion Berlin:
„Wir sind uns einig, dass wir in Berlin ein Bündnis für sozial-verantwortliches Wohnen brauchen. Ich freue mich besonders, dass die katholische Kirche dazu einen Beitrag leisten will.“

Erzbischof Dr. Heiner Koch:
„Es ist unser Anliegen, zusammen mit Bündnis 90/Grünen etwas für das Wohl der Stadt zu tun – hier stehen wir gemeinsam in der Verantwortung. Wir teilen Werte wie Solidarität, den Blick auf den Nächsten und den Blick auf alle, die am Rande stehen und werden den Austausch über Bildung, Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung ausbauen und intensivieren. Als katholische Kirche in Berlin leisten wir Beiträge zum friedlichen und respektvollen Zusammenleben. Der Blick auf den Zusammenhalt der Gesellschaft fordert uns heraus, die Erreichbarkeit bezahlbaren Wohnraums beispielsweise und die verschiedenen Wege dorthin sind Fragen, die die Gesellschaft zu spalten drohen.“

Bettina Jarasch, Sprecherin für Religion der Grünen-Fraktion Berlin:
„Die offene, plurale Gesellschaft hat auch eine religiöse Dimension. Deshalb muss Schule ein Ort sein, wo der Umgang auch mit religiöser Vielfalt eingeübt werden kann – und kein religionsfreier Raum.“

Teilnehmer*innen des Spitzengesprächs der Berliner Grünen:
– Antje Kapek (Fraktionsvorsitzende)
– Bettina Jarasch (religionspolitische Sprecherin)
– Anja Schillhaneck (finanzpolitische Sprecherin)
– Nina Stahr (Landesvorsitzende der Partei)
– Werner Graf (Landesvorsitzender der Partei)
– Alexander Barthel (Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft Christ*innen bei den Grünen)
– Gisela Hagenguth (Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft Christ*innen bei den Grünen)

Teilnehmer*innen des Spitzengesprächs der Katholischen Kirche:
– Erzbischof Dr. Heiner Koch
– Generalvikar Pater Manfred Kollig SSCC
– Herr Jünemann (Bereichsleiter Finanzen)
– Herr Schaumann (Bereichsleiter Bildung)
– Dr. Klapczynski (Theologischer Referent des Erzbischofs)
– Herr Göpel (Vorstand Caritasverband Erzbistum Berlin e.V.)
– Prof. Zimmermann (Präsident Kath. Hochschule für Sozialwesen)
– Herr Engelbreth (Katholisches Büro Berlin-Brandenburg)

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