Für eine offene und diskriminierungssensible Schulkultur – Antidiskriminierung an Schulen in Steglitz-Zehlendorf

Erfahrungen mit Diskriminierung an Schule sind auch in Steglitz-Zehlendorf weit verbreitet, auch wenn sich das oft erst auf den zweiten Blick zeigt: Davon zeugten zahlreiche Wortmeldungen beim zweiten Teil der Veranstaltungsreihe Empörung reicht nicht! Antidiskriminierung an Schulen, die ich zusammen mit meinem Fraktionskollegen Sebastian Walter, Sprecher für Antidiskriminierungspolitik, auf Einladung des grünen Kreisverbands im Rahmen einer Kreismitgliederversammlung am 14. Januar gemacht habe.

Eindrucksvoll war der Bericht von Ronit Back, mittlerweile Lehrerin in Reinickendorf, über antisemitische Diskriminierung, von der zwei ihrer Kinder an einem Steglitz-Zehlendorfer Gymnasium betroffen waren. Anders als in vielen Fällen von Antisemitismus, die in den letzten Jahren Schlagzeilen gemacht haben, hat die Schulleitung in diesen beiden Fällen schnell, klar und nach vorn gerichtet reagiert, mit dem Ergebnis, dass einer der Täter sich danach zum Beschützer und Fürsprecher gewandelt habe.

Eine solche Reaktion ist allerdings leider eher die Ausnahme als die Regel, denn viele Schulen haben Angst um ihren Ruf, wenn Diskriminierungsfälle öffentlich werden. Auch Lehrkräfte, die sich gegen Diskriminierung engagieren, werden allzu häufig von der Schulleitung nicht unterstützt. Das bestätigte auch Aliyeh Yegane, Leiterin der Anlaufstelle für Diskriminierungsschutz an Schulen (ADAS). 250 Betroffene haben sich von 2016 bis 2018 an ADAS gewendet. Dabei ging in zwei Dritteln aller Fälle die Diskriminierung nicht von Schüler*innen, sondern von der Schule aus, häufigste Form der Diskriminierung sei Rassismus. Yegane verwies besondes auf die Problematik der Täter-Opfer-Umkehr: Gerade wenn Schule nicht frühzeitig und konsequent auf jede Form von Diskriminierung reagiert, werden Opfer von Diskriminierung selbst zu Täter*innen.

Ulrike Kipf, Vorsitzende des Bezirkselternausschusses, forderte insbesondere mehr Elternarbeit, mehr Präventionsarbeit und ein Melde- und Beschwerdesystem, das Betroffene nicht an den Pranger stellt. Denn Diskriminierung geht nicht spurlos an Menschen vorbei. Oft verlassen die betroffenen Kinder, Jugendlichen oder Lehrer*innen die Schule, Diskriminierung kann aber auch zu psychischen oder Suchterkrankungen führen, zu Schuldistanz und sogar zum Suizid.

Konsens der anschließenden intensiven Debatte war: Es braucht eine andere Schulkultur im Umgang mit Diversität. Dazu braucht es systematische Schulentwicklung, die allerdings alle Akteur*innen einbeziehen sollte, die bereits vor Ort gegen Diskriminierung arbeiten: ob Vertrauenslehrkräfte oder Kriseninterventionsteams, Schulsozialarbeit oder Diversitybeauftragte.

Mehr Raum für Demokratiebildung und Ethik, sowohl im Lehrplan als auch im Austausch zum Beispiel in Klassen, AGs oder Gremien wie dem Schüler*innenrat kann alle an Schule Beteiligten für Antidiskriminierung sensibilisieren, damit Schüler*innen in der Schule zu mündigen Menschen erzogen werden, die Vorurteilen entgegen treten und selbst urteilsfähig werden.

Als Grüne auf Landesebene haben wir erreicht, dass im Haushalt 2020/21 der Antidiskriminierungsbeauftragte der Bildungsverwaltung, Dervis Hizarci, und die Anlaufstelle für Diskriminierungsschutz an Schulen (ADAS) finanziell gestärkt wurden. Wir haben außerdem mehr Gelder für diskriminierungskritische Schulentwicklung organisiert und verabschieden demnächst im Plenum das bundesweit erste Landesantidiskriminierungsgesetz. Außerdem setzen wir uns für eine Fachstelle für intersektionale Pädagogik ein und für eine unabhängige Beschwerdestelle für Diskriminierung im Schulwesen, die als niedrigschwellige Anlaufstelle beim Parlament angesiedelt sein und die Arbeit des Antidiskrimierungsbeauftragten in der Bildungsverwaltung ergänzen soll.

Fazit: Wir brauchen eine offene und diskriminierungssensible Schulkultur in Berlin

Konsens der Diskussion im Fishbowol-Format war: Wir brauchen eine offene und diskriminierungssensible Schulkultur. Diese kann nicht von Einzelakteur*innen, wie Antidiskriminierungsbeauftragten, umgesetzt werden. Ein neues Schulklima, das sich konsequent gegen Diskriminierung und Ausgrenzung engagiert, muss eine Frage der Schulentwicklung werden. Weitere Bausteine sind präventive Arbeit, ein gutes internes Beschwerdemanagement an Schulen und die Zusammenarbeit mit externen Anlaufstellen und kompetente Diversitybeauftragte an Schulen.

Als Grüne Fraktion im Abgeordnetenhaus Berlin haben wir erreicht, dass im Haushalt 2020/21 die Anlaufstelle für Diskriminierungsschutz an Schulen (ADAS) finanziell gestärkt wurde. Das Landesantidiskriminierungsgesetz, das aufgrund unserer Initiative in der Abstimmung mit den Koalitionspartner*innen ist, wird bald erwartet. Außerdem setzen wir uns weiterhin für eine Fachstelle für intersektionale Bildung und eine Unabhängige Beschwerdestelle für Diskriminierung im Schulwesen ein.

Die Veranstaltungsreihe basiert auf unserem Positionspapier „Empörung reicht nicht! Antidiskriminierung an Schulen in Berlin“, welches Sie hier nachlesen können.

Weiterführende Unterlagen zum Thema Antidiskriminierung an Schulen:

Teile diesen Inhalt:

Artikel kommentieren


* Pflichtfeld